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Wenn ein Raum kippt


Warum klare Grenzen kein Mangel an Mitgefühl sind

In den letzten Wochen war es auffallend still in meinen Räumen.

Keine neuen Anmeldungen. Wenig Resonanz. Viel Beobachtung.


Und ich weiß, dass genau das für manche irritierend ist. Vielleicht auch verunsichernd. Vor allem für Menschen, die mich schon länger begleiten und eine bestimmte Erwartung daran haben, wie „offen“, „weich“ oder „zugänglich“ meine Arbeit grundsätzlich ist.


Ich möchte heute sehr transparent teilen, was sich bei mir gerade verschoben hat – nicht theoretisch, sondern aus gelebter Erfahrung. Und warum das Thema gesunde Grenzen für mich gerade kein Konzept ist, sondern täglich gelebte Praxis.


Ein Raum kann offen sein – und trotzdem unsicher

Ich habe in den letzten Monaten unterschiedliche Fühlräume angeboten. Kostenlose, niedrigschwellige Formate. Kennenlernräume. Räume, die bewusst offen gestaltet waren.

Meine Intention war klar: Menschen einen sicheren Ort geben, um sich gesehen zu fühlen, ohne Leistungsdruck, ohne Verpflichtung.


Was sich gezeigt hat, war jedoch etwas anderes.


Offene Räume ziehen nicht nur Offenheit an. Sie ziehen auch Orientierungslosigkeit an.

Menschen, die nicht genau wissen, was sie suchen. Menschen, die beobachten wollen. Menschen, die spät kommen, Regeln übergehen, sich nicht zeigen möchten – und trotzdem erwarten, gehalten zu werden.


Und das ist kein Vorwurf. Es ist eine nüchterne Beobachtung.


Traumasensibilität bedeutet nicht, alles zu ermöglichen. Im Gegenteil: Ein wirklich sicherer Raum braucht Struktur, Verlässlichkeit und klare Schwellen. Ohne diese kippt er – oft leise, aber spürbar.


So wie bei Nilpferden. Enorm friedliche Tiere, die im Bedarfsfall töten. Wenn ein Raum kippt.


Mein Körper war schneller als mein Kopf

Es gab mehrere Situationen, in denen mein Nervensystem sehr klar reagiert hat, lange bevor ich es logisch eingeordnet habe. Ein inneres Zusammenziehen. Müdigkeit. Rückzug. Der Impuls, mich nicht mehr mitzuteilen oder die Räume so nicht mehr fortzuführen.


Und das war ein wichtiges Signal.


Denn ein Raum auf Augenhöhe bedeutet nicht, dass ich mich immer zeigen oder ewig so weitermachen muss. Er bedeutet, dass jede Person Verantwortung für ihre eigene Präsenz übernimmt. Dass Klarheit, Vorbereitung und echtes Interesse Teil der Begegnung sind.


Wenn ich merke, dass ich beginne, mich zu schützen, statt präsent zu sein, dann stimmt etwas im Rahmen nicht mehr.

„Grenzen entstehen nicht erst im Kontakt. Sie entstehen im Design.“

Dieser Satz hat sich für mich in den letzten Wochen als zentral herauskristallisiert.


Kostenfrei heißt nicht kostenneutral

Ein Punkt, den ich lange unterschätzt habe, ist die Wirkung von „kostenlos“. Nicht primär finanziell, sondern vor allem energetisch.


Kostenlose Räume sind oft mit unausgesprochenen Erwartungen verbunden. Manche kommen, um zu konsumieren und alles mitzunehmen. Manche, um nur ein bisschen von sich zu zeigen oder nur am Rande dabei zu sein. Andere, um etwas abzugreifen, ohne sich selbst wirklich in der Tiefe zu zeigen. Und wieder andere bleiben nur so lange, wie sie keine Verantwortung übernehmen müssen.


Auch hier: kein Urteil. Aber eine klare Erkenntnis.


Ein Raum ohne Schwelle fordert den Raumhalter oft mehr als alle anderen. Und genau dort beginnt Selbstüberforderung – auch bei Menschen wie mir, die gut reflektiert und traumasensibel arbeiten.


Führung heißt, den Rahmen ernst zu nehmen

Ich habe mir diese Fragen sehr ehrlich gestellt:


  • "Halte ich gerade Räume, in denen ich mich selbst verlasse?"

  • "Erkläre ich meine Grenzen öfter, als ich sie wirklich lebe?"

  • "Erlaube ich Ausnahmen, obwohl mein Körper längst Nein sagt?"


Die Antwort war klar.


Und daraus ist eine Konsequenz entstanden, die vielleicht für manche überraschend und auch enttäuschend ist: Ich beende bestimmte Formate. Nicht aus Frust. Nicht aus Trotz. Sondern aus purer Selbstachtung mir selbst gegenüber.


Ein Raum, der mich permanent in Grenzverhandlungen zwingt, ist kein sicherer Raum – weder für mich noch für andere.


Warum es gerade still ist – und warum das okay ist

Ich weiß, dass meine letzten Texte und meine klare Haltung bei manchen etwas ausgelöst haben. Rückzug. Abwarten. Vielleicht auch Projektion. Das ist höchst verständlich.


Grenzen triggern genau dort, wo wir gelernt haben, uns anzupassen, statt uns zu orientieren. Klare Rahmen triggern dort, wo wir Nähe nur ohne Verbindlichkeit kennen.


Dass es gerade still ist, heißt nicht, dass etwas „falsch“ läuft. Es heißt, dass sich sortiert, wer wirklich in dieses Feld möchte. Und was sich dort entfalten möchte.


Was ich künftig nicht mehr anbieten werde

Ich teile das bewusst offen, weil Transparenz Teil meiner Arbeit ist.


Ich werde keine Räume mehr halten,


  • in denen spätes Dazukommen normalisiert wird,

  • in denen Beobachten wichtiger ist als Präsenz,

  • in denen Regeln wiederholt verhandelbar sind,

  • oder in denen ich meine eigene Grenze übergehen müsste, um es allen recht zu machen.


Nicht, weil ich weniger mitfühlend bin. Sondern gerade weil ich echtes Mitgefühl mir selbst gegenüber aufbringe – und das zunächst immer erst eine klare Struktur braucht.


Und genau hier setzt die Masterclass an

Die kommende Masterclass zum Thema gesunde Grenzen entsteht nicht aus Theorie. Sie entsteht aus genau diesen Erfahrungen, die ich gemacht habe.


Sie ist ein klar gerahmter Raum.

Mit verbindlichen Zeiten und Preisen.

Mit klaren Absprachen und Teilnahmebedingungen.

Mit einer bewussten Entscheidung für sich selbst und andere.


Nicht, um Menschen auszuschließen – sondern um einen Raum zu schaffen, in dem Sicherheit nicht erst verhandelt werden muss. Sondern die von allen von Anfang an mitgetragen wird.


Diese Masterclass ist deshalb für Menschen, die genau das suchen:


  • einen verlässlichen Rahmen, der sie trägt,

  • einen sicheren Ort, an dem sie ihre eigenen Grenzen erkunden dürfen,

  • eine zuverlässige Begleitung, die wach, präsent und grenzklar ist,

  • ohne verdeckte Angst, dass der Rahmen selbst zum Stressfaktor wird.


Wenn du gerade zögerst, beobachtest oder unsicher bist, ist das vollkommen okay. Und wenn du spürst, dass du genau so einen Raum brauchst, dann bist du willkommen – mit allem, was da ist, innerhalb dieses sicheren, verlässlichen Rahmens.


Gesunde Grenzen sind kein Rückzug aus Beziehung. Sie sind die Grundvoraussetzung dafür.


Was genau die Masterclass ist

Die Live-Online-Masterclass "Gesunde Grenzen" findet erstmalig als Pilotevent vom 5. bis 8. März statt. Dabei handelt es sich um ein 4-tägiges Online-Live-Event via ZOOM, das am Donnerstagabend mit einer Themenaufstellung zum Motto der Masterclass beginnt.


Von Freitag- bis Sonntagabend findet jeweils von 18 bis 20:30 Uhr der Gruppen-Live-Teil statt, in dem wir gemeinsam Spür-, Fühl- und Körperübungen machen, um unsere eigene Körperwahrnehmung in Grenzsituationen zu schärfen. Dabei lernst du deinen Körper besser kennen und bekommst wertvolle Praxistipps, wie du dich selbst beobachten und verlässlich einschätzen kannst. Damit du in künftigen Situationen, in denen deine Führung und Klarheit gefordert wird, präsenter sein, deine Limits früher einordnen und danach handeln kannst.


Ergänzt wird der Rahmen durch eine Selbstbegegnung am Sonntagmittag. Ich empfehle, dort nicht nur als Resonanzgeber:in teilzunehmen, sondern die Chance zur eigenen Selbstbegegnung zu nutzen. Denn dort zeigt sich, wo und warum du dich selbst heute noch übergehst, obwohl du längst spürst, dass deine Grenze erreicht wurde.


Die Theorieinhalte werden vorab bereitgestellt bzw. aufgezeichnet – ebenso die Übungen, so dass du sie im eigenen Tempo noch einmal für dich selbst nachmachen kannst. Ein Integrationsraum zum Nachhall ist ebenso Teil des Angebotes.


Disclaimer: Dieser Text reflektiert meine eigenen Erfahrungen, inneren Prozesse und Lernbewegungen. Er richtet sich nicht an konkrete Personen und ist keine indirekte Kommunikation. Wenn dich etwas daran berührt oder triggert, lade ich dich ein, dies als Impuls für deine eigene Selbstklärung zu nutzen.

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