Wenn Nähe triggert & Grenzen wehtun
- Manuel Schönthaler

- 13. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Jan.

Eine Einladung an dein erwachsenes Selbst, wenn du gerade zwischen Rückzug und Verantwortung stehst
Vielleicht kennst du diesen Moment:
Du bist in einem Prozess, einem Gruppenraum oder in Begleitung, und plötzlich fühlt sich etwas nicht mehr stimmig an. Da ist Wut oder Enttäuschung. Vielleicht auch Leere, Scham oder der Impuls, dich zurückzuziehen. Ein Teil in dir will Nähe, Austausch, ein Gegenüber, das dich hält. Ein anderer Teil spürt, dass genau das gerade nicht passiert.
Und das verunsichert.
Viele Menschen erleben diesen Moment als Kränkung oder Ablehnung. Dabei ist er oft etwas ganz anderes: ein Übergang. Ein Punkt, an dem alte Bindungsmuster auf eine neue Form von Klarheit treffen.
Wenn der Wunsch nach Nähe auf eine Grenze trifft
In traumasensiblen Räumen entsteht häufig ein starkes Gefühl von Verbundenheit. Das ist kein Zufall. Sicherheit, Präsenz und Resonanz können tief berühren – vor allem, wenn du lange erlebt hast, mit deinen inneren Zuständen allein zu sein.
Doch irgendwann verändert sich etwas. Der Raum bleibt da, aber er wird klarer. Die Verantwortung wird stillschweigend an dich zurückgegeben. Nicht, weil du zu viel bist. Sondern weil man dir zutraut, dich selbst zu halten.
Für dein Nervensystem kann sich das trotzdem wie ein Entzug anfühlen. Plötzlich sind Gefühle da, die vorher gemeinsam getragen wurden. Wut vielleicht. Oder Hilflosigkeit. Und dann taucht diese Frage auf: "Warum fängt mich hier gerade niemand auf?"
Der Moment, in dem es unbequem wird
Dieser Punkt ist heikel. Nicht, weil du etwas falsch machst, sondern weil du an einer Schwelle stehst. Alte Strategien – Rückzug, Drama, Anpassung oder das Hoffen, dass jemand doch noch einspringt – funktionieren nicht mehr so wie früher. Gleichzeitig fühlt sich Eigenverantwortung noch ungewohnt und vielleicht sogar bedrohlich an.
Viele Menschen gehen an dieser Stelle. Manche brechen den Kontakt ab, andere wenden sich innerlich ab. Nicht aus Unwillen, sondern aus Überforderung. Denn sich selbst zu spüren, ohne sofortige Entlastung im Außen, ist eine der anspruchsvollsten Erfahrungen überhaupt.
Was Verantwortung hier wirklich bedeutet
Verantwortung heißt in diesem Zusammenhang nicht, alles alleine schaffen zu müssen. Es bedeutet auch nicht, Gefühle wegzudrücken oder „stark“ zu sein. Verantwortung beginnt dort, wo du anerkennst: "Das, was ich gerade fühle, gehört mir – auch wenn es durch Beziehung ausgelöst wurde."
Vielleicht merkst du, dass du dir eigentlich einen anderen Rahmen wünschst. Mehr Zeit. Mehr Nähe. Mehr Begleitung. Das ist legitim. Gleichzeitig ist es ein Unterschied, ob du diesen Wunsch klar benennst – oder ob du hoffst, dass jemand ihn für dich erfüllt, ohne dass du selbst Position beziehst.
Eigenverantwortung heißt, dich selbst ernst zu nehmen. Und den Raum, in dem du bist, ebenfalls.
Warum klare Rahmen dich nicht ausschließen
Klare Regeln und Grenzen sind keine Kälte. Sie sind ein Schutzraum. Sie verhindern, dass alte Muster von Abhängigkeit, Rettung oder emotionalem Verschmelzen unbemerkt weiterlaufen. Und sie ermöglichen etwas anderes: dass du dich als wirksam erlebst.
Ein Raum, der nicht alles auffängt, sagt im Grunde: "Ich traue dir zu, dich selbst zu halten – und ich bin da, ohne es für dich zu übernehmen."
Das kann sich zuerst schmerzhaft anfühlen. Langfristig ist es jedoch oft der Moment, in dem innere Reifung beginnt.
Eine Einladung an dich
Wenn du gerade schwankst zwischen Rückzug und dem Impuls zu bleiben, dann nimm dir einen Moment. Spür, was wirklich da ist. Vielleicht ist es nicht nur Wut oder Enttäuschung, sondern auch Angst vor dem nächsten Schritt.
Du musst nichts erzwingen. Und du musst dich zu nichts überreden. Aber du darfst ehrlich hinschauen, ob du gerade gehen willst, um dich zu schützen – oder ob ein Teil in dir weiß, dass genau hier jetzt etwas Wesentliches beginnt.
Heilung zeigt sich nicht darin, immer gehalten zu werden. Sondern darin, sich selbst halten zu lernen – in Beziehung, nicht in Abhängigkeit.
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Wenn du dich dafür entscheidest, diesen Schritt zu gehen, brauchst du nicht den perfekten Mutmoment. Nur die Bereitschaft, dir selbst zu begegnen. Hier und Jetzt.
Wenn Nähe triggert & Grenzen wehtun.
Disclaimer: Dieser Text reflektiert meine eigenen Erfahrungen, inneren Prozesse und Lernbewegungen. Er richtet sich nicht an konkrete Personen und ist keine indirekte Kommunikation. Wenn dich etwas daran berührt oder triggert, lade ich dich ein, dies als Impuls für deine eigene Selbstklärung zu nutzen.



