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Trash TV durch die Traumabrille

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Warum ich bewusst hinschaue – und was wir daraus lernen können


Intro: Warum ich mir das überhaupt anschaue

Manch eine:r mag denken, dass ich als traumainformierter Heiler ausschließlich bewussten, achtsamen, nervensystemfreundlichen Content konsumiere.


Die ehrliche Antwort ist: Das wäre schön – ist aber realitätsfern.


Nicht, weil ich es nicht wollte. Sondern weil genau dieser Content im klassischen Fernsehen kaum existiert. Und weil es Tage gibt, an denen selbst die beste innere Arbeit eine Pause braucht. Abende, an denen man müde ist. Einsam. Überreizt. Oder einfach nur menschlich.


Also habe ich etwas Entscheidendes verändert: Nicht das Was ich schaue – sondern das Wie.

Statt Trash TV abzuwerten, mich dafür zu schämen oder mich innerlich darüber zu erheben, habe ich begonnen, es bewusst durch die Traumabrille zu betrachten.


Und plötzlich wurde aus vermeintlich stumpfer Unterhaltung ein erstaunlich präziser Spiegel dessen, was in unserer Gesellschaft – und in vielen Nervensystemen – ungelöst wirkt.


Trash TV ist kein Zufall, sondern ein Symptom

Die meisten Reality- und Live-Doku-Formate zeigen keine Ausnahmen.Sie zeigen Regelmäßigkeiten.


Was dort immer wieder sichtbar wird:


  • Menschen, die ihre Gefühle nicht regulieren können

  • Beziehungen ohne echte Sicherheit

  • Nähe, die an Bedingungen geknüpft ist

  • Machtspiele statt Verbindung

  • Scham, die durch Lautstärke, Dominanz oder Selbstüberhöhung verdeckt wird


Oder klar gesagt:

Trash TV zeigt nicht „die Anderen“. Es zeigt kollektives Trauma im Alltag.

Das macht diese Formate so erfolgreich – und gleichzeitig so verstörend.


Was hier eigentlich verkauft wird

Offiziell verkauft Trash TV Unterhaltung. Inoffiziell verkauft es etwas anderes:


  • emotionale Aktivierung

  • Vergleich

  • Überlegenheit

  • Entlastung („Zum Glück bin ich nicht so“)

  • und oft auch: Ablenkung von der eigenen inneren Arbeit


Wir erleben Drama, ohne selbst betroffen zu sein.Wir fühlen Intensität, ohne Risiko.Wir sind nah dran – und bleiben doch auf Distanz.


Für ein überlastetes Nervensystem ist das hochwirksam.


Worum es in dieser Artikelserie gehen wird

In dieser Reihe nehme ich bekannte Trash-TV-Formate auseinander – nicht analytisch-kalt, sondern traumasensibel, klar und mit einer Prise Humor.


Jeder Artikel folgt dabei denselben Leitfragen:


  • Was wird in dieser Sendung gezeigt – und was nicht?

  • Welche Rollen werden inszeniert (Täter, Opfer, Retter, Richter)?

  • Welches Trauma wird hier ausagiert – individuell wie kollektiv?

  • Warum funktioniert das Format so gut?

  • Was erleben wir als Zuschauer:innen wirklich?

  • Und was können wir daraus für unser eigenes Nervensystem lernen?


Es geht nicht darum, Menschen bloßzustellen. Und auch nicht darum, Trash TV zu verteufeln.

Es geht darum, Muster zu erkennen statt zu verurteilen.


Für wen diese artikelSerie gedacht ist

Diese Artikel richten sich an:


  • Menschen, die mitten auf ihrem Heilungsweg stehen

  • Kolleg:innen aus Coaching, Therapie und Beratung

  • alle, die merken, dass sie konsumieren – und sich fragen warum


Wenn du perfekte Vorbilder suchst, bist du hier falsch. Wenn du Lust hast, ehrlich hinzuschauen, bist du hier genau richtig.


Ausblick: Die erste „Episode“

Wir starten in einer Woche mit HARDCORE PAWN.


Einer Pfandleiher-Familie aus Detroit. Und einem Format, das wie kaum ein anderes zeigt:


  • wie emotionale Überlebenskämpfe Beziehung ersetzen

  • wie ausagierte Wut Ohnmacht maskiert und Schuld vermeidet

  • wie Narzissmus, Armut, Gewalt, Sucht und Trauma ineinandergreifen

  • und wie das alles mit der Jagd nach dem schnellen Geld kompensiert wird.


Die erste Folge dieser Artikelserie liest sich wie der Beginn einer Serienstaffel. Denn genau das ist sie.


👉 Fortsetzung folgt: „Hardcore Pawn – Wenn Überleben wichtiger ist als Beziehung“ (Start am 8.1.2026)


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Disclaimer: Dieser Text reflektiert meine eigenen Erfahrungen, inneren Prozesse und Lernbewegungen. Er richtet sich nicht an konkrete Personen und ist keine indirekte Kommunikation. Wenn dich etwas daran berührt oder triggert, lade ich dich ein, dies als Impuls für deine eigene Selbstklärung zu nutzen.

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