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Episode 2: THE PROFIT

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Wenn Rettung zur Kontrolle wird


Cold Open: Der Mann mit dem Geld betritt den Raum

Ein angeschlagenes Unternehmen. Zahlen in Schieflage. Emotionen am Anschlag. Familien, Freundschaften und Geschäftsbeziehungen ineinander verstrickt.


Dann kommt er.


Unternehmer Marcus Lemonis.

Ruhig. Klar. Durchsetzungsstark.


Er hört zu – aber nicht lange. Er stellt Fragen, die weh tun. Und trifft Entscheidungen, die andere sich seit Jahren nicht trauen.


Willkommen bei “THE PROFIT”.


Führung als Nervensystem-Angebot

Traumatheoretisch ist Marcus Lemonis eine hochinteressante Figur.


Er ist emotional reguliert. Präsenzstark. Vorhersehbar.

Er eskaliert nicht – er strukturiert.


Für dysregulierte Systeme ist das enorm beruhigend.


Marc verkörpert etwas, das vielen Teilnehmenden fehlt:

klare Führung ohne Chaos.


Er sieht Muster, benennt sie – und löst sie nicht emotional, sondern ökonomisch.


Das ist keine Therapie.

Das ist Business.


Und genau darin liegt die Sicherheit.


Was wirklich gerettet werden soll

Offiziell geht es in der Sendung um Unternehmen.

Inoffiziell geht es um Menschen, die sich Hoffnung kaufen wollen.


Marc bietet: Kapital. Struktur. Richtung.


Was viele der Teilnehmenden darin suchen, ist jedoch etwas anderes:


  • Entlastung

  • Führung

  • jemanden, der endlich übernimmt

  • und oft: einen Retter


Aus Bindungsperspektive ist das nachvollziehbar. Wer gelernt hat, dass Beziehung instabil ist, klammert sich an Leistung, Geld oder Autorität. Marcus wird so zur Projektionsfläche:

„Wenn er es richtet, wird endlich alles gut.“

Warum es trotzdem oft scheitert

Und hier trennt sich Business von Trauma.


Marcus kann Zahlen ordnen.

Prozesse verschlanken.

Strukturen einziehen.


Was er nicht kann – und auch nicht will: Beziehungstraumata auflösen.


Viele Unternehmen scheitern nicht an fehlendem Kapital,

sondern an unverarbeiteten Bindungsmustern:


  • Kontrolle statt Vertrauen

  • Schuldzuweisung statt Verantwortung

  • Loyalitätskonflikte statt Klarheit


Das führt dazu, dass selbst gute Lösungen sabotiert werden.


Nicht aus Bosheit.

Sondern aus Angst vor Autonomieverlust.


Der Fisch stinkt vom Kopf

Besonders deutlich wird das in der Folge mit dem cholerischen Unternehmer einer Hundetagesstätte.


Ein Mann, der seine Mitarbeitenden abwertet, kontrolliert und offen hasst. Marcus versucht nicht, ihn zu therapieren. Er versucht auch nicht, ihn zu retten. Er zieht sich zurück.


Die Botschaft ist klar – und traumapsychologisch korrekt:

Wenn Führung nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, gibt es nichts zu sanieren.

Der Fisch stinkt vom Kopf.


Ohne Einsicht, ohne Mitmachen, ohne Bereitschaft zur Veränderung ist jede finanzielle Rettung wirkungslos.


Der Unterschied zu Hardcore Pawn

Im Vergleich zu “Hardcore Pawn” sehen wir hier keinen emotionalen Dauer-Overkill.


Dort: Ausagieren, Lautstärke, Chaos.

Hier: Kontrolle, Ordnung, Regulierung.


Beides sind Überlebensstrategien. Nur auf sehr unterschiedlichen Ebenen.


The Profit zeigt Trauma nicht im Ausbruch, sondern im Funktionieren.


Marcus Lemonis als kollektive Vaterfigur

Dass Marcus auch als Investor bei “Shark Tank” auftritt, ist kein Zufall.


Er verkörpert eine Figur, die vielen vertraut ist:


  • fordernd

  • klar

  • leistungsorientiert

  • emotional kontrolliert


Für viele Nervensysteme fühlt sich das an wie:

Endlich jemand, der weiß, wo es langgeht.

Die Schattenseite: Wer Führung externalisiert, lernt keine innere Führung.


Wenn Rettung nicht angenommen wird

Ein wichtiger – oft übersehener – Aspekt: Die Sendung wurde auch deshalb eingestellt, weil ehemalige Teilnehmende klagten. Psychodynamisch hochspannend.


Menschen, die sich retten lassen wollten, aber nicht bereit waren,


  • Verantwortung zu übernehmen

  • alte Muster loszulassen

  • oder den eigenen Anteil zu sehen


Wenn die Rettung scheitert, wird der Retter schuldig gemacht.


Ein klassisches Trauma-Muster. Und wie es dem Retter wirklich damit erging.


Was du daraus für dich mitnehmen kannst

Beim Zuschauen lohnt sich erneut eine ehrliche Frage:


👉 Wo wünsche ich mir Rettung – statt Selbstführung?


  • Wo hoffe ich, dass jemand anderes Ordnung schafft?

  • Wo verwechsel ich Sicherheit mit Kontrolle?

  • Und wo sabotiere ich Lösungen, weil sie mich in die Eigenverantwortung bringen würden?


The Profit ist kein Heilungsformat.


Aber es ist ein präziser Spiegel dafür, wie Business, Bindung und Trauma ineinandergreifen.


Cliffhanger

In der nächsten Episode schauen wir noch genauer hin:


👉 Warum funktionieren Retterfiguren so gut – und warum machen sie langfristig abhängig?


Die Fortsetzung folgt am 22.1.2026.


Disclaimer: Dieser Text reflektiert meine eigenen Erfahrungen, inneren Prozesse und Lernbewegungen. Er richtet sich nicht an konkrete Personen und ist keine indirekte Kommunikation. Wenn dich etwas daran berührt oder triggert, lade ich dich ein, dies als Impuls für deine eigene Selbstklärung zu nutzen.

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