top of page

Männer & Emotionen

Wie emotionale Verletzlichkeit zur Stärke wird und persönliches Wachstum in der Traumaarbeit gelingt


Viele Männer kommen nicht wegen der Aufarbeitung ihrer Kindheit in Therapie. Sie kommen wegen Schlaflosigkeit, innerer Leere, Beziehungsproblemen, sexueller Lustlosigkeit, Burnout oder dem Gefühl, „nicht mehr zu wissen, wofür das alles eigentlich gut ist“.


Und oft dauert es lange, bis eigentlich erst klar wird: Diese Symptome sind keine Störung, sondern ein altes Echo.


Im Podcastinterview mit Franz Ruppert, psychologischer Psychotherapeut und Begründer der identitätsorientierten Psychotraumatheorie, auf deren Basis ich die Selbstbegegnungsarbeit anbiete, spreche ich mit ihm genau darüber: Warum so viele Männer jahrzehntelang funktionieren – und erst in Krisen beginnen, sich selbst wirklich erstmals richtig zu begegnen.


Männer, Gefühle und das große Missverständnis

Männer gelten noch immer als emotional verschlossener. Nicht, weil sie weniger fühlen – sondern weil sie früh gelernt haben, dass Gefühle keinen sicheren Platz haben. Stärke, Leistung, Kontrolle und Durchhalten wurden belohnt.


Verletzlichkeit wurde dagegen oft beschämt oder übergangen.


Franz beschreibt sehr klar, wie stark gesellschaftliche Rollenbilder und frühe Beziehungserfahrungen hier ineinandergreifen. Besonders prägend: das Vaterbild.


Ein emotional abwesender, überforderter oder ausschließlich leistungsorientierter Vater hinterlässt häufig eine innere Leerstelle – das, was Franz als „Vaterhunger“ beschreibt. Ein tiefes Bedürfnis nach Anerkennung, Spiegelung und Orientierung, das lange unbewusst bleibt.


Bindungstrauma: Warum Männer so viel aushalten

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist Bindungstrauma. Nicht im spektakulären Sinn, sondern als leise, frühe Überforderung: emotionale Nicht-Verfügbarkeit, fehlende Resonanz, Anpassung statt Kontakt.


Viele Männer entwickeln daraus eine enorme Leidensfähigkeit.


Sie halten aus, funktionieren weiter, stellen ihre Bedürfnisse hinten an – im Beruf, in Beziehungen, im eigenen Körper. Erst wenn Kompensationen wie Arbeit, Sport, Kontrolle oder Rückzug nicht mehr tragen, entsteht Raum für Fragen, die tiefer gehen und offenlegen, worum es wirklich geht.


Nicht selten beginnt Therapie genau dort: nach Trennung, Burnout oder innerem Zusammenbruch.


Warum Symptombearbeitung oft nicht reicht

Im Interview wird deutlich, warum rein symptombezogene Ansätze viele Männer frustrieren.

Wenn das „Warum“ unbeantwortet bleibt, wenn biografische Zusammenhänge nicht verstanden werden, entsteht zwar kurzfristige Stabilisierung – aber keine echte innere Orientierung.


Franz arbeitet deshalb genau wie ich stark mit der eigenen Lebensgeschichte, mit inneren Anteilen und Aufstellungsarbeit. Nicht, um Schuldige zu suchen, sondern um Ordnung in das innere Erleben zu bringen.


Trauma versteht er als Überforderung der kindlichen Psyche – und Überlebensstrategien als intelligente, damals notwendige Lösungen.



Männer brauchen Männer – und sichere Räume

Ein wichtiger Aspekt des Gesprächs ist die Bedeutung von Gruppenarbeit. Franz berichtet von seinen offenen Männergruppen in München, in denen Männer sich regelmäßig begegnen, ihre Themen teilen und Schritt für Schritt emotionale Präsenz entwickeln können.


Viele Männer kommen nicht auf Druck von Partnerinnen, sondern aus eigenem Antrieb – oft auf Empfehlung anderer Männer. Die Gruppe schafft etwas, das im Einzelkontakt schwer herzustellen ist: Zugehörigkeit, Spiegelung und das Erleben, mit den eigenen inneren Konflikten endlich nicht mehr allein zu sein.


Selbstbegegnung statt Selbstoptimierung

Auch meine eigene Arbeit knüpft genau hier an: Selbstbegegnung statt weiterer Optimierung. Online und offline Räume, in denen Männer (und Frauen) lernen, sich selbst zuzuhören, innere Dynamiken zu verstehen und aus dem Autopiloten auszusteigen.


Nicht schneller. Nicht besser. Sondern ehrlicher.


Denn Veränderung, das wird in unserem Gespräch sehr deutlich, ist kein Ziel, das man erreicht. Sie ist ein fortwährendes Prozess.


Vom Ich zum Du zum Wir.


Für wen ist dieses Interview?

Für Männer, die schon in Therapie sind oder darüber nachdenken.

Für Menschen, die spüren, dass ihre Symptome eine Geschichte haben.

Für alle, die merken: Funktionieren reicht nicht mehr – aber fühlen macht Angst.


Dieses Gespräch ist keine Anleitung.

Es ist eine Einladung, genauer hinzuschauen.


🎧 Das vollständige Podcastinterview mit Franz Ruppert findest du hier.


Wenn du neugierig bist auf Franz’ Männergruppen in München oder auf meine Arbeit der Selbstbegegnung – online oder offline – findest du die entsprechenden Infos verlinkt.


Manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Lösung.

Sondern mit einem ehrlichen Gespräch.


Damit Männer & Emotionen endlich wieder gebührend zusammenfinden.

bottom of page